Benzingespräche

Von der Maiszucht zur Klassikersucht

Jörg Dinkelaker erfüllte sich zum Ruhestand seinen Berufswunsch

Der jung gebliebene Dr. Jörg Dinkelaker, Jahrgang 1952, machte sich einige Jahre vor Eintritt in seinen Ruhestand Gedanken über eine Aufgabe „danach“. Und dann erfüllte er sich in einem Alter, in dem andere froh sind, aus dem Berufsleben auszusteigen, einen Traum.

Bild 1: Calanques bei Cassis, Südfrankreich. Bild 2: Dinkelaker (im roten T-Shirt) "um 1970 irgendwo an der französischen Atlantikküste" mit Renault Dauphine.


Im BELMOT-Interview erzählte er uns mehr über seinen Weg und sein heutiges Herzensbusiness Retrocars52. Was BELMOT sehr erstaunte: Er näherte sich dem Thema Oldtimer sehr akribisch und geradezu wissenschaftlich. Dieser Herangehensweise zolle ich als Autor dieser Zeilen großen Respekt.

Der Grundstein für seine Autobegeisterung wurde früh gelegt: als eifriger Leser der Zeitschrift „Hobby“, war er schon in jungen Jahren bestens informiert. Als Sohn eines Landarztes schon im DKW 3=6 im Schwäbischen unterwegs, als viele Familien noch gar kein Auto hatten. Es folgten Erlebnisse und Reisen auf den Rückbänken VW 1600 und Renault 16 TS.

Das erste eigene Erlebnis mit dem Auto


Das erste eigene Auto-Abenteuer kam direkt nach dem Abi. Nach einem Monat Kugellagerschleifen kaufte er von diesem Honorar gemeinsam mit Schulkollegen einen VW Bus und stattete diesen mit einer Matratze aus. Damit ging es direkt nach Portugal. Weitere tolle Erlebnisse, z.B. von der französischen Atlantikküste folgten (Titelbilder).

Über die Jahre wechselte er immer wieder seinen fahrbaren Untergrund: vom Simca 1300, über Passat 1500, bis zum Mercedes 220/8. Letzterer wurde zwar von ihm und seiner Frau geliebt, war jedoch auf den schmalen Bergstraßen von Schriesheim etwas ungünstig, weil man bei Gegenverkehr oft 50 bis 100 Meter rückwärts herumrangieren musste. Trotzdem bedauert er bis heute, daß er diesen ersten Mercedes verkaufen musste, denn zu dieser Zeit erhielt er einen Firmenwagen.

Doch Dinkelakers Berufsleben ließ wenig Zeit für eigene Klassiker. Viele Jahre lang war er verantwortlich für die Maiszucht im Dow AgroSciences Deutschland Konzern und er pendelte in dieser Position viel „zwischen deutscher Disziplin und französischer Lebensart“ – wie er selbst sagt. Wer per Dienstwagen von Ladenburg in die Pyrenäen pendelt, hat am Ende eines Jahres schnell 70.000km auf dem Tacho stehen. Seine Geschäftsreisen führten ihn darüber hinaus auch nach Moldawien, in die USA und -je nach Jahreszeit- auch auf die Südhalbkugel. Dort wurde Wintermais gezüchtet, wenn bei uns gerade Sommer war. Zunächst widmete er sich also ganz dem Mais, weniger Klassikern.

Oldtimer-Leidenschaft - neu entfacht


Ein Urlaub in Kalifornien und ein Besuch von Pebble Beach und der Monterey Car Week 2014 waren dann Schlüsselerlebnisse, nach denen seine Oldtimer-Leidenschaft wieder neu entfacht wurde. Wie gerne wäre er im Zuge seiner USA-Geschäftsreisen am Wochenende mal zu Autorennen wie dem Indy 500 gefahren. Da der Hauptsitz von DOW in Indianapolis liegt, hätte es so gut gepasst. Doch leider war er oft so getaktet, dass dafür keine Zeit blieb. Trotzdem stand der Entschluss irgendwann fest. „Ich möchte etwas mit Oldtimern machen. Ein Handel, das wäre ein Traum.“

Jörg Dinkelaker lebt in Ladenburg. Das malerische Örtchen kennt ihr vielleicht aus weiteren BELMOT-Interviews, denn dort sind u.a. Winfried Seidel und Tobias Friedrich aktiv. Seidel betreibt das Automuseum Dr. Carl Benz und Friedrich die „Ni-Cola Classics Auktionen“. Dinkelaker erinnert sich an Friedrichs Vergangenheit vor der automobilen Spezialisierung: „Vor 25 Jahren hat er mir noch die Elektroleitungen beim Hausbau verlegt!“ So klein ist die Welt!

Geplante Herangehensweise


Als die Entscheidung für Jörg Dinkelaker stand, tatsächlich einen Oldtimer-Handel zu eröffnen, drückte er bereits zwei Jahre vor Renteneintritt wieder die Schulbank und liess sich in Schweinfurt an der „Fahrzeug-Akademie“ ausbilden.

„Es ging mir in den Kursen gar nicht drum, alles selbst zu können, aber seither habe ich einen viel geschulteren Blick für alles und kann klassische Fahrzeuge nun ganz anders einschätzen als vorher.“ Bei den „lückenlosen“ Kursurkunden zu Blech, Motor etc. hängt auch eine Unterschrift von Oldtimeranwalt Michael Eckert, der regelmäßig ein Oldtimer-Rechts-Seminar abhält, „Das wirklich sehr empfehlenswert für alle ist, die im Handel und Restaurierung unterwegs sind.“, sagt Dinkelaker und verweist auch auf die gute Zusammenarbeit mit BELMOT.

Für eine so fundierte Herangehensweise, noch bevor der erste Oldie auf dem Hof parkt, ziehen wir von BELMOT den Hut, Respekt!

Es folgt die Hallenanmietung in Bensheim, der Name Retrocars52 wird etabliert, eine Homepage www.retrocars52.de erstellt und mit Leben gefüllt.

Ein Fotohändler in Baden-Baden gibt sein „Hochzeitsfahrzeug“ ab und so wird neben einem Fiat 124 Spider und einem großen Karmann, ein seltener Hansa 1100 Cabrio von 1937 zu einem der ersten verkauften Klassikern bei Retrocars52.
 

Hansa 1100 Cabrio von 1937
Hansa 1100 Cabrio von 1937

Aktuell ist Jörg Dinkelaker auf der Suche nach einem bezahlbaren 1303 Cabrio von Volkswagen für einen Kunden in München, doch gute Fahrzeuge sind rar und teuer. Wer einen Tipp hat, darf sich gerne melden! 

Unsere letzte Frage an ihn: Wenn Sie eine Traumgarage zusammenstellen dürften, was parkt darin?

  • Ein 1965er Buick Riviera Gran Sport
  • Ein Facel Vega HK 500
  • Ein Jaguar E-Type V12 Roadster
  • Ein Mercedes Benz W111 280 SE 3.5 Cabrio Flachkühler

Eine ausgezeichnete Wahl, wie wir finden…

Wer seinen Klassiker in gute Hände abgeben möchte und zu wenig Zeit hat, sich selbst darum zu kümmern, ist bei Jörg Dinkelaker gut aufgehoben. Zurzeit ist die Halle coronabedingt noch leer, aber das soll sich bald wieder ändern. Aktuell hat er also etwas mehr Zeit, sich besonders um die Wünsche der Kundschaft zu kümmern.

Der große Reibach steht für ihn dabei nie im Vordergrund. Alles um jeden Preis verkaufen, ist auch nicht seine Devise. Er sieht sich weniger als Händler, sondern mehr als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer. Genau das ist es, was ihn sehr sympathisch macht.

BELMOT wünscht ihm weiterhin viel Erfolg, Gesundheit und vor allem gute Geschäfte.

 


Interview & Text von Ralf,
unterstützt von Isabelle 
 


 

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