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Benzingespräche

Stilvoll geschäftlich unterwegs

Eric Plant fährt einen seltenen Bristol 411

Eric Plant genießt die freudig überraschten Reaktionen, wenn er mit seinem Geschäftswagen zu Kunden fährt. Während Mercedes /8, VW Käfer, Bulli, Porsche 356 und 911 von den meisten Menschen ge- und erkannt werden, sieht es bei britischen Marken etwas anders aus. Eric Plants Geschäftswagen ist ein 411 Serie 1, von der es nur 48 gab. Klar, dass Oldtimer wie diese ein außergewöhnliches Seh-Erlebnis auf deutschen aber auch auf britischen Straßen sind. Bezüglich ihrer preislichen Exklusivität spielen Bristol Fahrzeuge leider nicht in der gleichen Liga wie Aston Martin, wohl aber Bentley und Rolls Royce, kommen jedoch äußerlich wesentlich zurückhaltender daher. BELMOT sprach mit Eric Plant über seinen 411er und weitere Autoträume.

Platten? Kein Problem! Fotos dieser Seite: Eric Plant

BELMOT: Bristols Geschäftsmodell bestand darin, äußerst exklusive Fahrzeuge in kleiner Stückzahl zu bauen. Diese oft nur auf Bestellung. Insgesamt baute Bristol im Laufe seiner Geschichte seit 1946 nur wenige Tausend Fahrzeuge. Die letzten Jahre seines Bestehens stellte Bristol überhaupt keine Autos mehr her, sondern fokussierte sich auf die Restaurierung von alten Fahrzeugen. 2020 folgte wohl die endgültige Insolvenz (Verhandlungen und Liquidation laufen noch). Ihr 411 ist eines von nur sehr wenigen Fahrzeugen, das zwischen 1969 und 1976 gebaut wurde. Kennen Sie die genaue Anzahl der 411er? 
EP: Vom 411 der Serie 1 wurden laut Bristols Owners Clubunterlagen nur 48 Stück gebaut. Insgesamt gibt es wohl 250 Bristol 411 in den Serien I-IV.

Sie besitzen also einen unglaublich seltenen Wagen, den man bestimmt auch nicht auf einfachem Wege findet. Wie haben Sie ihn gefunden?
Das war tatsächlich reiner Zufall. Ein Autohändler besaß diesen Wagen privat und suchte über eine Zeitungsannonce einen Käufer. Ich hatte schon immer ein Faible für Bristol und suchte nach einem seltenen Oldtimer.

In welchem Zustand war dieser damals?
Die Karosserie und das Interieur waren damals gerade in hohem Standard voll restauriert worden. Der Motor, die Lenkung, die Bremsen und das Fahrwerk waren durch. In den letzten vier Jahren, in denen ich den Wagen besitze, habe ich 40.000 EUR allein an Materialkosten und etliche Stunden Arbeit investiert.

Das machen nur wahre Liebhaber. Wer hat sie mit dem Oldtimer-Gen infiziert?
Tatsächlich waren das meine Eltern, allen voran meine Mutter. Wir fuhren mit dem Jaguar E-Type Roadster regelmäßig in den Urlaub. Mein Vater war in den Fünfzigern hobbymäßiger Rallyefahrer, verstarb jedoch bei einem Unfall 1964. Neuwagen gehen für mich gar nicht. Sie haben einen zu großen Wertverlust, ein zu hohes Gewicht und zu viele Macken durch zu viel Firlefanz.

Was gefällt Ihnen an der Marke Bristol?
Die Geschichte: Die Bristol Aircraft Company war zwischen den Weltkriegen einer der bekanntesten britischen Flugzeughersteller und Motorenbauer. Anthony Crook hat später die Firma übernommen und war Chefverkäufer, Chefdesigner/Konstukteur und Testfahrer in einem. All die Jahre saß in dem einzigen Verkaufsladen der Welt, in der Kensington High-Street in London. Man sagt, dass er Kunden aus dem Laden geworfen hat, weil sie keine Kravatte trugen, egal wieviel Geld sie möglicherweise hatten. Seine Hauptklientel waren Filmstars und reiche englische Familien, denen ein Rolls-Royce oder Aston Martin zu auffällig waren. Die Neupreise erreichten jedoch das gleiche Niveau.

Was haben Sie bereits mit dem 411er erlebt?
Ich bin mit ihm schon viel durch Europa gereist. Jedes Jahr bin ich mit ihm in England. Überall erregt der 411 große Aufmerksamkeit, gerade auch in England. Meistens stehen die Leute davor und fragen, ob es ein Rolls-Royce oder Aston Martin ist, wenn ich dann Bristol sage, kommt fast immer: “Bristol? Kenne ich nicht.“

Mein Auto war sogar 2x ein Filmauto. Judy Dench und Ian Holm haben im Auto eine lange Szene gedreht. Der Erstbesitzer war ein pensionierter Major der königlichen Fallschirmspringer (muss aus einer reichen Familie gestammt haben). Ursprünglich wurde das Auto in Metallic-Blau mit grauem Leder ausgeliefert, dann in Bordeaux-Rot metallic lackiert und ich habe ihn in Cumberland-Grey mit olivgrünem Leder gekauft.



Der Bristol 411 in passender Kulisse: Der Hamburger Speicherstadt.

Wenn Sie Ihren 411er alltagsmäßig als Geschäftswagen nutzen, bietet es sich ja an, wenn Sie ihn selbst reparieren könnten, wenn er muckt…
Ja, ich schraube und restauriere alle meine Wagen selbst. Nur spezielle Gewerke gebe ich weg, wie z.B. Lackierung, Zylinderschleifen etc.

Alle Wagen heißt? Haben Sie grundsätzlich eine Vorliebe für britische Oldtimer?
Ich habe außer dem Bristol noch einen MG GT V8 1973 und einen Volvo Baujahr 1992. An einem Projekt schraube ich auch gerade: Das ist ein Rover 90 (P4, Auntie). Sie sehen, die Leidenschaft für britische Wagen ist definitiv gegeben. Aber es gibt auch andere tolle Marken.

Hierzu möchten wir mehr wissen: Wenn Sie sich eine Sammlung aus fünf Oldtimern – unabhängig ihres Wertes­- zusammenstellen könnten. Welche Autos würden Sie wählen? 
Hier gibt es wirklich mehrere Autos, von denen ich träume. Der einzige aktuell für mich erreichbare Traum wäre ein E-Type 1 Coupé. Weitere wären:

  • Lancia Flaminia Touring Coupé
  • Lancia Stratos
  • Aston Martin Db 4  und auch Zagato/ Db 5
  • Maserati A6G/54 Zagato Coupé
  • Und noch ein neueres Auto: Nämlich einen Bristol Fighter

Sie leben bei /in Hamburg. Welches ist Ihre Lieblingsstrecke im nördlichen Deutschland, die Sie unseren Lesern wärmstens empfehlen können? 
Von Hamburg aus in Richtung Schaalseegebiet, Gudow und Seedorf durch die Seenlandschaft und dann nach Mölln, Ratzeburg. Weiter nach Schönberg in Richtung Dassow und dann nach Schwansee (Rast und im Schloßhotel und Spaziergang an den Strand). Und wenn man will, noch Boltenhagen und die Kaiserbäder abfahren.

 

Vielen Dank, Herr Plant für das schöne Gespräch mit Ihnen!

 

 

Text von Isabelle 

 

Innenleben des Bristol 411


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