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Benzingespräche

V8-Motoren: Die bedingungslose Liebe einer Frau

"Mit historischen Fahrzeugen kann man die Zeit festhalten und Erinnerungen immer wieder erlebbar machen." Margret Meincken

Der V8 markierte einen Meilenstein in der Geschichte Audis. Die erste Oberklasselimousine und zudem das erste Fahrzeug des Herstellers mit serienmäßigem Allradantrieb, wurde zwischen 1988 und 1994 produziert. Eine Frau, die leidenschaftlich mit V8-Motoren verbunden ist und ebenso leidenschaftlich beruflich mit Youngtimern, Oldtimern und ihren Besitzern zu tun hat, ist Bloggerin und Journalistin Margret Meincken. Hier verrät sie uns mehr über sich, ihre große Liebe und empfiehlt zwei wunderbare Strecken für den nächsten Ausflug per Young- oder Oldtimer.

Mit V8 am Plansee. Fotos dieser Seite: Margret Meincken

Ihr Vater gab Ihnen einen wichtigen Rat: „Tue das, was du liebst, und du wirst erfolgreich sein“. Hatte er recht und was lieben Sie? 
Ja, er hatte recht. Ich liebe alte Autos, wobei ich hier vor allen Dingen eine Vorliebe für Youngtimer habe, meine Freiheit und das Schreiben. Ich habe den Rat meines Vaters befolgt und all das, was ich liebe, zu meinem Beruf gemacht. Ich kann Menschen mit spannenden oder auch bewegenden Geschichten kennenlernen, die Essenz aus ihrer Erzählung, ihrem Leben herausfiltern und für andere aufschreiben.
An Youngtimern und Oldtimern, der Audi V8 ist ja bald einer, liebe ich, dass ich das Gefühl habe, Zeit festhalten und Erinnerungen immer wieder erlebbar machen zu können. Für mich sind sie wertvolle Zeitkapseln, die die ganz persönliche Geschichte, aber auch den technischen Fortschritt der damaligen Zeit konservieren. 

Welche früheren Erfahrungen hat Ihre große Faszination von V8 Motoren ausgelöst?
Das war ganz klar der 1978er Ford Bronco Ranger XLT meines Vaters. Ich bin mit und größtenteils auch in diesem Ungetüm aufgewachsen, seinen Geruch habe ich heute noch in der Nase.

Mit ihm begann die Leidenschaft: Der Ford Bronco des Vaters (Foto: Margret Meinckens Vater)

Ich verbinde so viel mit diesem Auto, dass es Psychotherapeuten vermutlich schon pathologisch nennen würden. Bis zu meinem 16. Lebensjahr gab es keinen einzigen Familienausflug oder auch Urlaub ohne den Bronco. Er war ein vollwertiges Familienmitglied. Die schönsten und schrägsten Geschichten habe ich auf meinem ersten Blog V8-Kultur aufgeschrieben. Wenn mein Vater kleine Reparaturen am Fahrzeug erledigte oder auch nur das Öl nachfüllte, war ich immer dabei. Ich war kaum höher als das Radhaus, aber wie verzaubert von dem schier übermächtigen Ford. Bis heute habe ich mir diese bedingungslose Liebe zu V8-Motoren bewahrt. Ich mag ihre Laufkultur, das tiefe Gullern. Es beruhigt mich. 

Sie sind Bloggerin und haben sich den Themen Youngtimer und Oldtimer verschrieben. Auf Ihrem ersten Blog v8-Kultur.com schrieben Sie einen Artikel, der sich „Das Auto als Spiegel der Persönlichkeit“ nennt. Welche Ähnlichkeiten zum Audi V8 weist Ihre Persönlichkeit auf?
Es ist ja immer schwierig, das über sich selbst zu sagen. Ich glaube, dass wir die Gelassenheit gemein haben. Im Alltag entspannt zu bleiben, aber Höchstleistungen abrufen zu können, sobald es nötig ist. Der Audi V8 ist ein Sinnbild dafür, dass nicht jeder Trend, nicht immer das Neueste auch das Schönere oder Bessere ist. Abgesehen davon, dass der V8 ein Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte von Audi ist, lautet einer meiner Grundsätze außerdem, dass etwas benutzt wird, solange es tadellos funktioniert. Ein Ende ist nicht absehbar.

Sie sind eine von immer noch wenigen Frauen, die sich tiefgehend für das Thema Autos, speziell Young- und Oldtimer interessiert. Wie erleben Sie Ihre Stellung in der Szene?
Völlig unproblematisch. Ich verstehe mich gut mit männlichen und weiblichen Kollegen - freue mich allerdings immer, wenn ich auf Frauen in der Szene stoße. Es könnten bestimmt noch mehr sein. Aber es gibt auch schon viele großartige Frauen, Mechanikerinnen und Expertinnen.

Was war Ihr Antrieb, als Frau beruflich in ein männerdominiertes Metier zu wechseln?
Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob diese Branche männerdominiert ist oder nicht, sondern ich habe gemacht, was ich machen wollte. Meine Leidenschaft sind alte Fahrzeuge und das Schreiben, ich habe beides miteinander verknüpft. Es ist das, was mich glücklich macht.

Kennen Sie sich auch mit dem Schrauben aus?
Ich würde sagen, ja. Grundlegende Dinge bekomme ich selbst hin, auch wenn ich großen Respekt vor der Materie habe. Bei schwierigen Arbeiten oder Arbeiten, die sehr viel Kraft erfordern, assistiere ich meistens.

Welche Fahrzeuge parken aktuell in Ihrer Garage?
Mein ältester, der Audi V8, mein Alltagsvolvo, ein Volvo V70 I und ein Volvo 850 T-5 als Limousine, der Jugendtraum meines Mannes.

Wenn Sie sich eine Sammlung zusammenstellen könnten, Geld spielt keine Rolle, welche fünf Autos würden Sie wählen?

1. An erster Stelle kann nur der Ford Bronco meines Vaters stehen. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, dieses Auto wiederzufinden (Zur Story). Vielleicht kann mir ja einer der Leser weiterhelfen.

2. Einen unverbastelten, gepflegten Jeep Cherokee 4.0 XJ aus den Jahren 1997-1999.

3. Da ich neben der Faszination für V8-Motoren auch noch einen Faible für sowjetische Fahrzeuge habe, muss ich mich nun zwischen einem GAZ M21 Wolga und einer GAZ 13 Tschaika entscheiden. Ich nehme den Wolga, Vorfacelift, mit dem Hirschen als Kühlerfigur.

4. Einen BMW 6er E24 - vielleicht das schönste Coupé aller Zeiten, definitiv aber die schönste Haifischnase aus München.

5. Einen Opel Commodore B GSE mit Rallyescheinwerfern, Vinyldach und ohne Rost.

Sie schreiben auf Ihrem gleichnamigen Blog über Motoren und Menschen. Wer war der bisher beeindruckendste Mensch aus der Szene, der Ihnen im Kopf geblieben ist bzw. was zeichnet ihn aus?
Das sind vor allem Privatpersonen, die ich kennenlernen und denen ich zuhören durfte. Es ist immer wieder faszinierend, so tief in das Privatleben einer Person eintauchen und die zum Teil sehr bewegenden Geschichten hören zu können, die sich hinter Oldtimern verbergen. Das ist übrigens das Schöne in unserer Branche: Es gibt vermutlich kaum Oldtimerfahrer, die nicht aus einem ganz bestimmten Grund genau dieses Auto fahren, das sie fahren. Häufig ist es die prägende Kindheit oder die Erinnerung an eine geliebte Person. Jedes alte Fahrzeug, das heute noch auf unseren Straßen unterwegs ist, gehegt und gepflegt wird, trägt seine ganz eigene Geschichte in sich. Das ist etwas, was wir uns unbedingt bewahren müssen.

Welche Oldtimerstrecken können Sie wärmstens empfehlen?
Zwei meiner Lieblingsrouten:
1. Zum einen wäre da der Südschwarzwald, wo ich aufgewachsen bin: Von Norden kommend, fahren Sie die B500 am Schluchsee entlang bis nach St. Blasien. Von dort fahren Sie weiter über Todtmoos und gelangen auf eine der aufregendsten Strecken durch den Hotzenwald hinunter an den Hochrhein. Über Herrischried nach Görwihl und von dort durch das enge und kurvenreiche Albtal, das mit seinen fünf in den Fels gesprengten, nur einspurig befahrbaren Tunneln für ein bisschen Nervenkitzel sorgt. 

2. Zum anderen ist da meine "Hausstrecke":
Fahren Sie die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen und biegen Sie in Oberau Richtung Ettal / Schloss Linderhof ab. Von dort fahren Sie weiter entlang des wunderschönen Plansees bis nach Reutte in Tirol. Wer eine größere Runde drehen will, biegt in Stanzach Richtung Namlos ab, fährt über den sanften Namlospass, bringt ein bisschen Geduld für den Fernpass mit und überquert das Hahntennjoch von Imst aus.
Zwei Tipps: Am besten geht das im September direkt nach dem Almabtrieb. Und: In Blschlabs gibt es sehr guten Kaiserschmarrn.


Herzlichen Dank für das schöne Interview! 

                                                                                                                                            Die Fragen stellte Isabelle  




 


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