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Benzingespräche

Barcamp zum Thema Weltkulturerbe Mobilität

Historische Fahrzeuge bewegen und erhalten - eine Veranstaltung in der Classic Remise Berlin. BELMOT war dabei.

Fotos: Mannheimer Versicherung AG

Am 07.09. luden die renommierten Automobiljournalisten Carl-Christian Jancke, Christian Steiger und Thomas Wirth nach Berlin in die Classic Remise ein. Das relativ kurzfristig initiierte Treffen im aktuellen Bar-Camp Format (Anm. d. Red. Es gibt kein vorher festgelegtes Programm. Die Teilnehmer gestalten die Inhalte während der offenen Tagung/der Workshops selbst.) trug den Titel “Historische Fahrzeuge bewegen und erhalten”, die Teilnehmer gestalteten daraus einen Tag ganz nach der Devise „Werte erhalten – Wissen weitergeben“.

Die Veranstaltung hatte u.a. das Ziel, mögliche Inhalte zu identifizieren, die für einen Antrag bei der Deutschen UNESCO-Kommission entscheidend sind, um in das nationale Register für immaterielles Kulturerbe aufgenommen zu werden. Wichtig ist dieser Schritt, da ein vergleichbarer Antrag aus dem Jahr 2015 leider nicht angenommen wurde.

Dass es sich bei einem klassischen Automobil in gutem Zustand um ein schützenswertes Kulturgut handelt, zeigt beispielsweise das H-Kennzeichen. Aber auch der Gebrauch eines Oldtimers im öffentlichen Straßenverkehr soll in Zukunft weiterhin Bestand haben. Dieser Punkt war vielen Teilnehmern ein großes Anliegen, da Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor momentan ohnehin am Pranger stehen.

„Ein Oldtimer nur noch im Museum, statt auf der Straße ist wie ein Zoo mit ausgestopften Tieren. Das wäre viel besser, dann wären schließlich auch keine lebendigen Tiere eingesperrt, provozierte Teilnehmer und BELMOT-Markenmanager Ralf Stumpfernagel.

Wie der Erhalt von Oldtimern in der Praxis aussehen könnte, wurde in der Runde diskutiert und anhand von Projekten vorgestellt, die alle die unterschiedlichen Facetten von Oldtimerleidenschaft demonstrieren:

Reinhard Schade hat vor 25 Jahren die Oldtimerspendenaktion der Lebenshilfe Gießen ins Leben gerufen.  Er berichtete von der Lebensfreude-Oldtimer-Rallye, bei der in diesem Jahr, der 5. Lebensfreude-Oldtimer-Rallye, 90 gemischte Doppel an den Start gingen. Menschen ohne Behinderung als Fahrer und Menschen mit Behinderung, die in den Einrichtungen der Lebenshilfe leben, als Beifahrer. 

Auch Verantwortliche der Diakonie Essen berichteten von ihrem ungewöhnlichen Konzept der „Neue Arbeit“: In deren Oldtimerwerkstatt  restaurieren Langzeitarbeitslose französische Klassiker, Citroen und Peugeot, um diese anschließend zu verkaufen. 15 restaurierte Klassiker haben in den letzten drei Jahren einen neuen Eigentümer gefunden.

15 junge (ehemalige) Auszubildende, die sich im Projekt “Kesselflicker” der Kessel AG, Lenting engagierten, stellten dieses vor: Sie restaurierten einen Mercedes-Benz O 302-Bus dem Jahr 1970. Ziel war eine möglichst hohe Eigenleistung der jungen Berufstätigen.

Zwei Männer, die keine unterschiedlicheren Ansichten haben könnten: Prof. Philipp Batthyány ließ seinen BMW 2.5 CS kürzlich aufwendig restaurieren. Jetzt ist das Fahrzeug Auto perfekt und neuwertig. Hingegen hat Prof. Hanns-Lüdecke Rodewald seinen Opel Olympia Rekord (Bj. 1956) seit 1977 nicht mehr gewaschen. Er repariert außerdem nur das, was wirklich nötig ist. Die beiden diskutierten über Originalität, Patina und Authentizität. 

Der Marketing-Experte Ulf Schulz aus Berlin, stellte sein Projekt „Avus 100“ vor. In 2021 wird die Berliner Stadtautobahn Avus (Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße) 100 Jahre alt. In Form eines Festivals zu Ehren der noch heute in Betrieb stehenden Autobahn würdigt Schulz mit unterschiedlichen Aktionen das 100-jährige Bestehen.

Über die Projektvorstellungen hinaus wurden Themen erörtert, wie sich die Oldtimerszene in den nächsten 15-20 Jahren verändern wird und wie auch die Generation Y für die Mobilität vergangener Tage begeistert werden kann.

Grundsätzlich stand auch die Frage im Raum, ob es sinnvoll wäre, etwas wie einen Wirtschaftsverband aller am Oldtimermarkt beteiligten Unternehmen/ Dienstleister zu gründen, der einerseits seine Hand schützend über die Oldtimerszene hält und anderseits als Sprachrohr dienen könnte.

Schreibt uns eure Meinung, ist die Interessensvertretung, die Oldtimerfahrer gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik haben, heute noch zeitgemäß, oder werden wir bald genauso Opfer der SUV-Hater sein? Hinterlasst uns gerne direkt unter dem Artikel einen Kommentar. 

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