Benzingespräche

Von einem, der ausflog, ein Auto zu kaufen, Teil II

Ralf von BELMOT wartet in Spanien auf den Verkäufer

Da sitze ich nun, in der Nähe von Tarragona im Sonnenschein. Aber niemand kommt. Ende der Geschichte…

Über 1.300 km hat Ralf von BELMOT hinter sich gebracht. Für einen lapisblauen Mercedes 280 SE.

Nein, mein Telefon klingelt, der spanische Besitzer des lapisblauen 280 SE Mercedes steht vor dem Seiteneingang und wartet. Also schnell die OldtimerMarkt weggepackt und losgelaufen.

Covid19-konform, beide mit Maske, so findet unser erstes Treffen in seinem anthrazit farbenen Land Rover Defender statt… Wir fahren los. Er erzählt mir, dass er weder Fan von modernen Autos ist und eigentlich - ganz untypisch für Spanien-  überhaupt keine Hitze mag. Am Meer liegen und brutzeln, nein das wäre nicht sein Ding.

Witzigerweise sieht die Firmenanschrift real wirklich exakt so aus wie ich vorher auf Google Streetview gesehen hatte. Das ist ja eigentlich logisch ist, aber die Firmenanschrift sieht tatsächlich verdammt anonym aus. Die Erklärung liegt auf der Hand: der Mercedes steht in guter Gesellschaft. Das Lieblingsauto des Verkäufers parkt tatsächlich auch dabei, die Dyane bekommt gerade neue Reifen. Ein SEAT Sport aus den 70ern, ein 1982er BMW 530i aus Andorra, ein Fiat aus Vorkriegstagen und etliche Amerikaner runden das Bild ab.


Der blaue 280SE ist nicht perfekt, der Lack hat seine besten Tage hinter sich, aber von Rost keine Spur, dafür Dellchen an den Türen, die wirklich schlecht nachlackiert wurden. Positiv: keine Ölflecken unter dem Auto. Negativ: der Stoff am Fahrersitz muss wie erahnt erneuert werden. Kein Problemfall, aber kosmetische Eingriffe sind definitiv nötig.


 

Die Probefahrt startet, kein Bläuen oder unrundes Laufen für ein Auto, das fünf Jahre lang so gut wie nicht bewegt wurde - eigentlich perfekt. Spötter sagen, dem M110 Motor nach, er könne nichts richtig gut, er raucht, er säuft und er ist laut. Also passt er zu mir, denke ich mir und schon bewegen wir uns die ersten Meter über unbefestigte Grobschotterpiste, weil hier gerade die Straße erneuert wird. Kein Klappern und kein Knarzen, was ja die Ledersitze gerne von sich geben. Hier gibt es Stoff, was sich in südlichen Ländern, im Sommer ohnehin angenehmer anfühlt als Leder oder MB-Tex.


Durch den Stadtverkehr geht es nun auf die Landstraße. Ziel ist ein 5km entferntes Industriegebiet, schließlich soll ich mit abgemeldeten Auto ja auch selbst eine Runde drehen können. Keine Ahnung, was „Chapeau“ auf Spanisch heißt, aber den Hut ziehe ich nun vor dem verstorbenen Erstbesitzer Signor So-und-so.

Hierzulande ein Makel: keine elektrischen Fensterheber, keine Automatic, kein Schiebedach, keine elektrische Sitzverstellung, genau das tut diesem 280 SE Unrecht.

Signor So-und-so hat sich eine sportliche Reiselimousine bestellt, mit 5 Gängen und einer Klimaanlage. Das Beschleunigen macht es deutlich, der 126 zieht sauber, auch unterhalb von 4000 U/min. Auf alles, was verzichtbar ist, wurde konsequent verzichtet, zu Gunsten eines optimalen Gewichts. Die 185 Pferdchen treffen so auf ein Leergewicht von 1560 kg. Das sind 99 kg weniger als mein aktueller VW Tiguan wiegt.

Endlich bin ich dran, die Klimaanlage macht schon schön kühl und die Sekurit Verbundglasscheiben vorne und hinten sind Made in West-Germany…

Was jetzt kommt, ist geradezu ernüchternd. Wer weiß, wie sich ein 38 Jahre alter Mercedes mit 160.000km auf dem Tacho fährt, wenn er es zeitlebens gut beim Erstbesitzer hatte? Genau, fast wie neu, aber eben auch so unspektakulär, wie das nur wenige Marken hinbekommen – selbst heute.

Da ich bisher nur meinen R107 und einen W123 aus dieser Zeit mit 5 Gang gefahren bin, bin ich verblüfft, was die kurzen Schaltwege angeht und auch das Schalten selbst geht ungewöhnlich gut von der Hand. Mercedes Getriebe waren immer der Kritikpunkt Nummer 1 in zeitgenössischen Tests, was das angeht.

Meine Bauchentscheidung ist bereits gefallen. Pro lapisblauer 280 SE J  Auch die Rückfahrt der Probefahrt mit dem warmgefahrenen Motor zeigt keine Überraschungen. Ok, man muss ihn lackieren, um ihn perfekt zu haben, aber er hat keine UV-Schäden und parallel keinen Rost, das macht das Ganze in der Komplettbetrachtung sehr reizvoll.

 

In Teil III kommen wir dann auf den Transport nach Deutschland zu sprechen…

 


Euer Ralf 

 

 

Kennt ihr schon Teil I der Geschichte?
Von einem, der ausflog, ein Auto zu kaufen, Teil I

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