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Benzingespräche

Immer mehr Oldtimerdiebstähle in Deutschland

BELMOT geht der Sache auf den Grund

Die große Frage: Wie gehen Diebe eigentlich vor? Dazu sprachen wir sowohl mit Privatermittlern, die gestohlene Fahrzeuge professionell aufspüren und sicherstellen als auch mit Diebstahlopfern.

Foto: Shutterstock/1130183927

Sie sind leichter zu stehlen, aber genauso teuer wie ein neuer SUV: Die bei Dieben beliebtesten Oldtimerfahrzeuge haben sich seit Jahren nur wenig geändert.
Ganz oben auf der Liste steht der luftgekühlte Porsche 911 in allen Varianten. Dahinter folgt die Mercedes Benz Pagodenbaureihe W113 gemeinsam mit 190SL und Baureihe W111 als Coupé oder Cabrio. Auch beliebt der Ford Mustang aus den USA, der Jaguar E-Type, aber genauso Porsche 356, VW Käfer und Bulli werden gestohlen. All diese Fahrzeuge haben einiges gemeinsam:
Es gibt sie noch relativ häufig, es werden Ersatzteile benötigt und die Papiere – sprich alte KFZ Briefe– gibt es online zu ersteigern. Selbst für seltene Modelle wie den NSU Ro 80 wird man direkt fündig

Besonders einfach für Diebe und Fälscher: Für den Porsche 911 gibt es online auch das passende Blech zu kaufen, in das die neue bzw. eine gefälschte FIN direkt eingeschlagen werden kann.

Das bedeutet jedoch nicht, dass alle gestohlenen Fahrzeuge zwangsläufig in Einzelteile zerlegt und als Ersatzteile verhökert werden. Ein Teil wird auch mit neuen Identitäten versehen und in Umlauf gebracht, oder einfach jahrelang kaltgestellt. 12 Wochen lang fandet die Polizei nach dem Diebstahl intensiv, dann verschwindet das Fahrzeug aus dem „Radar.
Ähnlich wie im Kunstmarkt z.B. nach einem Kunstraub, wird die gestohlene Hehlerware oft von Dieben kaltgestellt. Nach 7-10 Jahren sind die Fahrzeugdaten beim KBA gelöscht. Logisch, nach 10 Jahren glaubt wohl niemand mehr daran, seinen gestohlenen Wagen wiederzufinden. Viele der gestohlenen Oldtimerfahrzeuge werden im Bereich Benelux vermutet, ein weiterer Teil aber auch in Osteuropa.

Wie aber gehen die Diebe vor? Achtung Tiefgarage!

Städte wie Berlin, Hamburg aber speziell auch Köln, Aachen, Essen oder Düsseldorf, zählen seit Jahren zu den Hotspots für Oldtimerdiebe.
Tiefgaragen werden geradezu systematisch „abgecheckt“, im Netz ist die Rede vom „Einkaufsbummel für Diebe“. Aber dennoch wird die Gefahr prinzipiell unterschätzt, wie aktuelle Meldungen aus dem September 2020 bestätigen:

Doch nicht nur Tiefgaragen zählen zu den Revieren der Diebe.

Die Mietwagen-Masche

Im Großraum Aachen fahren Diebe Ihren potentiellen Opfern mit Mietwagen hinterher. Speziell bei Ausfahrten positionieren sich die Diebe an beliebten, oder vorher bekannt gegebenen Strecken, um Ausschau nach potentieller Beute zu halten. Teilweise mit zwei Fahrzeugen und deutschen und holländischen Kennzeichen, um nicht aufzufallen. Anders ist es kaum zu erklären, dass in einem großen Garagenpark mit 40 Einzelgaragen genau zwei Garagen mit Oldtimern aufgebrochen wurden. D.h. die Diebe kundschaften genau aus und schlagen meist nachts zu.

Vorsicht bei der Inspektion

Auch Autohäuser oder Werkstätten sind immer wieder betroffen, wenn Fahrzeuge dort über Nacht auf dem Hof geparkt werden, oder die Werkstatt im verlassenen Industriegebiet liegt, wo sich nachts niemand über eine heulende Alarmanlage wundert.
https://www.sauerlandkurier.de/hochsauerlandkreis/brilon/brilon-diebe-klauen-porsche-aus-werkstatt-polizei-fahndet-mit-foto-90036721.html

Der Probefahrt-Trick

Während die Masche, das Auto auf einer Probefahrt zu unterschlagen, schon alt ist, gibt es mittlerweile eine neue Masche: Diese ermittelt relativ unauffällig den Standort des Oldtimers.

Der Tracker-Trick

Die Täter, bzw. die Handlanger tun so, als würden sie am Oldtimer-Cabrio posieren, um Fotos mit dem Handy zu machen. Dann lässt einer der Täter unauffällig einen Tracker in das Auto fallen, so kann exakt die Position des Fahrzeugs per Handy App bestimmt werden und die Diebe haben nun genügend Zeit, sich auf den Diebstahl vorzubereiten. Die einfachsten Tracker-Varianten, sind kleiner als eine Streichholzschachtel und fallen in der Regel auch nicht auf, sobald sie im Fußraum hinter dem Fahrersitz verschwunden sind.
Ein so georteter Oldtimer ist auf ein paar Meter genau zu lokalisieren. Hört das Signal direkt vor einer Tiefgarage auf, so fällt den Autoknackern die weitere Suche nicht schwer.

BELMOT klärt auf: Wie kann man sich schützen?

Stellen Sie die Oldtimer möglichst nicht in die Tiefgarage, dort sind sie unabhängig von Typ und Wert immer eine leichte Beute.
Solange selbst ein guter 1303er Käfer oder ein ordentlicher Mercedes /8 um die 10.000 Euro bringen, ist es leichter, ein gestohlenes Auto zu vermarkten, als eine Bank oder einen Supermarkt zu überfallen. Und die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden, ist denkbar geringer. Daher ist auch zukünftig damit zu rechnen, dass die Diebstahlzahlen nicht weniger werden.

Unser Tipp: Stehlen Sie Dieben die Zeit!

Je höher der Aufwand ist, eine Sperre zu überwinden, desto eher sehen Diebe von einem Diebstahl ab. Das kann unterwegs mit einer Lenkradkralle sein, oder zu Hause mit dem sog. Multiblocker.
Auch die Möglichkeit, ein Fahrzeug und dessen Teile zu präparieren, ist den Dieben ein Dorn im Auge. Wird ein Fahrzeug mittels künstlicher DNA oder NFC-Technologie identifizierbar gemacht, ist es nicht mehr damit getan, eine neue Fahrgestellnummer einzuschweißen, um die Herkunft des Autos zu verschleiern.

Wie helfen Trackingsysteme mit und ohne App?

Tracking Systeme leisten einen wichtigen Beitrag zum Wiederauffinden von Klassikern. Je nachdem, wie gefährdet ein Oldtimer ist, gibt es verschiedene Varianten. Ob eine App auf dem Smartphone, die den Standort dem Benutzer anzeigt sinnvoll ist oder nicht, entscheidet der persönliche Geschmack.

Auch wenn der Standort des Fahrzeugs auf einer App angezeigt wird, sollte man sich keinesfalls dazu verleiten lassen, sein Fahrzeug selbst aufzufinden oder es mit dem Schlüssel zurückholen zu wollen. Empfehlenswert sind auf jeden Fall Varianten, die im Diebstahlfall auch über eine multilinguale Sicherheitszentrale verfügen, die auch im Ausland eine Sicherstellung ermöglicht. Solche Systeme beginnen bei ca. 300 Euro.
Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass monatliche Gebühren alle Roamingkosten abdecken, sonst könnte es mit einer eigenen SIM-Card in einem günstigen Tracker, ein böses Erwachen nach einem Urlaub in der Schweiz geben. Dort gilt das EU-Abkommen über Roaming Gebühren nämlich nicht.

Einfache Systeme mit einer App sind immer dann zu empfehlen, wenn das Auto regelmäßig im Zugriff ist. Darüber hinaus muss man sich als Oldtimerbesitzer fragen: Möchte ich das Gerät selbst nachladen, oder ist gewährleistet, dass die Batterie meines Klassikers auch im Winter immer so voll geladen ist, dass dieses auch das Trackingsystem entsprechend mit versorgen kann?
Die einfachsten Systeme liegen bei 100 bis 150 Euro und müssen entweder wie beim Smartphone regelmäßig nachgeladen werden oder sie hängen am Bordnetz. Das wissen jedoch auch Diebe, die das bei hochwertigen Fahrzeugen ausnutzen.
Es ist davon ausgehen, dass aktive Trackingsysteme, sei es am Bordnetz oder mit Akku bzw. Batterie versorgt, nach 10- 12 Wochen nicht mehr senden, da die Stromversorgung dann zu schwach ist. Hat der Dieb also die Möglichkeit, ein Fahrzeug 3 Monate in eine Tiefgarage kaltzustellen, ist es

  1. aus der Intensivfahndung gefallen und
  2. die Ortungssysteme meist nicht mehr in Betrieb

Können Diebe Trackingsysteme außer Kraft setzen?

Professionelle Diebe benutzen häufig Frequenzscanner, sog. Sweeper, um zu prüfen, ob das Fahrzeug Positionsdaten sendet. In der Regel handelt es sich dabei um GSM- also Mobilfunkdaten oder GPS-Koordinaten über Satellit. Ist dies der Fall, wird ein Jammer verwendet. Das ist ein Störsender, der verhindert, dass die Signale übertragen werden, so dass kurz nach einem Diebstahl keine Ortung des Fahrzeugs möglich ist.
Sinnvoll kann daher die Nutzung eines sog. Sleepers sein, der erst im Diebstahlfall aktiv wird. Dieser kann nicht so leicht zum Zeitpunkt des Diebstahls aufgespürt werden.

Je mehr Möglichkeiten ein Gerät zur Ortung besitzt, desto eher ist eine Sicherstellung möglich. Wer ein Fahrzeug unter allen Umständen zurückhaben möchte, für den empfiehlt sich der Einbau eines sog. passiven Ortungsmoduls, dieses sendet nicht aktiv Daten, sondern übermittelt seinen Standort erst „auf Anfrage“ an eine Sicherheitszentrale, somit ist es für Diebe ungleich schwerer aufzuspüren und die Batterielaufzeit wird deutlich erhöht, so dass auch nach 6 oder 12 Monaten eine Ortung erfolgen kann, z.B. wenn die Diebe das Fahrzeug verschieben. Achten Sie darauf, dass eine solches Modul auch über weitere Möglichkeiten der Ortung, wie RFID, LoRa (Kurzwellensignal) oder Bluetooth/WiFi verfügt. Diese Modelle sind effektiv aber auch entsprechend teurer, so das uns aktuell kein System unter 500 Euro bekannt ist.

FAZIT:

Einen Diebstahl 100%ig zu verhindern ist bei einem Fahrzeug, mit dem man auch an Veranstaltungen teilnimmt, relativ schwer. Eine sinnvolle Kombination aus mechanischer und elektronischer Abschreckung ist für unterwegs sinnvoll, aber für Diebe, die mit einem geschlossenen Anhänger  „ausrücken“ kein Hindernis.

Wir empfehlen auf jeden Fall die Verwendung eines Tracking/oder Ortungsmoduls und sei es nur deswegen, weil Sie früher erfahren, dass sich Ihr Fahrzeug nachts um 3.00 Uhr gerade aus der Werkstatt bewegt hat.

Text von Ralf 

 

 

 

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