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Benzingespräche

Faszination Luftkühlung beim internationalen VW Treffen

Interview mit Peter Bauer VW Club | 40 Jahre VW Club Rhein-Neckar e.V.

Wenn vom 12. - 14. Juli in Mannheim traditionell das internationale Treffen des VW-Club Rhein-Neckar e.V. für luftgekühlte Volkswagen und luftgekühlte Porsche stattfindet, kommen auf dem Parkplatz des Technoseums regelmäßig bis zu 350 Oldtimer aus ganz Europa zusammen.

Peter Bauer vor einem seiner VW Käfer, der 21 Jahre lang stillstand, bis er ihn zum Leben erweckte.

Peter Bauer, 1. Vorsitzender des Vereins, freut sich bereits sehr auf diese Tage. Sie sind neben mehreren kleineren Veranstaltungen, alle 2 Jahre das Veranstaltungs-Highlight für den Verein. In Gemeinschaftsarbeit stecken Peter Bauer und die Mitglieder sehr viel Herzblut in dieses Treffen. Besonders dieses Jahr, denn der Verein, der zu den ältesten Volkswagen Clubs Deutschlands zählt, feiert 2019 sein 40-jähriges Bestehen. Auch das Käfer Cabrio hat ein großes Jubiläum, weshalb der Verein ihm eine Sonderausstellung auf dem Gelände des Technoseums widmet.

BELMOT war kurz vor dem Treffen zum Stammtisch des Vereins eingeladen. Im Gespräch mit Peter Bauer haben wir mehr über den Verein erfahren und gelernt, dass sich im Leben immer alles so fügt, wie es sein soll.

BELMOT: Beschreiben Sie doch mal, warum Sie gerade VW lieben und keine andere Marke.
Peter Bauer: Der alte VW Käfer mit dem luftgekühlten Motor ist ein Stück deutsche Geschichte. Für mich besteht die Faszination in der sehr guten, genialen Konstruktion der Luftkühlung von Ferdinand Porsche. Das Auto hat keine Wasserkühlung und keine Wasserschläuche, alles Dinge, die schadenanfällig sind. Im Sommer kann somit nichts überkochen, im Winter nichts einfrieren, bis auf das bisschen Wasser in der Scheibenwaschanlage. Das Heckmotorkonzept war insofern genial, weil der Antrieb direkt auf den Rädern sitzt. Früher war es ja eher üblich, den Motor vorne zu platzieren, die Kardanwelle quer durchs Auto zu legen und den Antrieb hinten zu platzieren. Es gab nur ganz wenige Ausnahmen für den Frontantrieb. Dieser hielt erst viel später Einzug in der Automobilindustrie. Und so war beim Käfer der Antrieb direkt auf den Rädern und der Motor obendrüber, was für eine gute Traktion sorgt.

Sie sind also ganz klar Fan der Technik.
Ja. Aber auch der Vielseitigkeit. Obwohl das Auto in den Dreißigerjahren konstruiert worden ist, kann man auch heute noch ein alltagstaugliches Auto daraus machen, wenn man ein paar Handgriffe ändert. Die Leistung nach oben hin ist nur begrenzt durch TÜV und Geldbeutel.

Wie kam es zu Ihrer Liebe zu Oldtimern?
In meinem Alter hatte wohl ein Großteil der Familien einen Käfer in ihrer Familie. Geprägt wurde ich eigentlich durch meinen acht Jahre älteren Bruder, der mit 19/20 Jahren einen frisierten Käfer der Firma MAHAG hatte. Ich durfte dann ab 1975 mit diesem Käfer mitfahren, der deutlich mehr Leistung gebracht hat als das Serienfahrzeug und der auch fahrwerkstechnisch optimiert war. Das hat viel Spaß gemacht und für mich war schnell klar, dass ich auch solch ein Auto haben muss, wenn ich mit 18 meinen Führerschein mache.

Und auch heute noch fahren Sie natürlich einen Käfer…
Ja, mehrere sogar. Den heutigen (siehe Foto) habe ich vor fünfeinhalb Jahren gekauft. Er hat zuvor 21 Jahre lang in einer Garage stillgelegen. Ich habe ihn dann letztendlich wieder zum Leben erweckt. Er ist Baujahr 1963 und hat noch den ersten Lack, was man an manchen Stellen auch sieht. Aber das soll meines Erachtens auch so sein. Er hat seine Geschichte hinter sich und für mich war oberste Prämisse, dass ich den Originallack auf jeden Fall bewahre. Ich habe weitere Käfer, die alle glänzen. Dieser glänzt halt nicht mehr aber das darf er auch. Das war für mich das Interessante an diesem Auto. Er ist völlig unverbastelt.

Wie haben Sie dieses Auto eigentlich gefunden?
Das war eine ganz lustige Geschichte. Ich hatte mich irgendwann einmal irgendwo mit dem Besitzer unterhalten, habe ihm meine Telefonnummer gegeben und gesagt: „Wenn Du irgendwann mal das Auto verkaufst, melde Dich bei mir.“ Das hat er dann 15 Jahre später tatsächlich getan. Er hat also 15 Jahre lang meine Telefonnummer aufgehoben und dann angerufen. Ich konnte mich ehrlich gesagt, nicht mehr erinnern und meinte aber „ja, gut, ich guck mir das Auto mal an.“ Ich hatte bis dato jahrzehntelang alte Autoteile und Zubehör gesammelt, die interessant erschienen und hab nie das richtige Auto vom Stil und Baujahr dafür gehabt. Und dann habe ich den Käfer in der Garage gesehen und erkannt: Das ist genau das passende Auto dafür.

Sie sind 1986 aus Franken nach Mannheim gezogen. Warum haben Sie bewusst einen VW Club gesucht und sind dann eingetreten?
Ich war neu in der Region, kannte mich nicht aus und es gab ja noch kein Internet. Also habe ich in der Zeitung „Sperrmüll“ geschaut, was hier los ist und bin so auf den VW Club gestoßen. Ich bin hin, habe mir die Leute angeschaut und schnell war klar, dass es passt und ich in den Verein eintreten möchte. So gingen die Jahre ins Land und heute bin ich schon fast 15 Jahre Vorsitzender.

Wer darf Mitglied in Ihrem Verein werden? Muss man sich schon gut mit alten VW auskennen oder ist man auch als „Frischling der Szene“ willkommen?
Bei uns ist jeder im Verein willkommen, der Interesse an der alten VW-Generation mit luftgekühltem Motor hat. Egal ob jemand bereits solch ein Auto besitzt oder bislang nur damit sympathisiert. Das kann natürlich auch ein Karman Ghia oder VW Bus, VW Porsche 914 etc. sein. Es gibt ja ein breites Spektrum.

Welche Vorteile genießt man als Mitglied in einem Oldtimer-Club?
Wir treffen uns zwei Mal pro Monat in der Gaststätte „Krautwickel“ in Mannheim-Pfingstberg. So wie heute. Wir sprechen hier über unser Hobby, Neuigkeiten, Ersartzteile und  Veranstaltungen. Es gibt ja mittlerweile sehr viele Veranstaltungen im Oldtimersektor, das war früher ganz anders. Wir besprechen manchmal auch technische Dinge oder wo wir gemeinsam hingehen. Man ist hier einfach unter Menschen, die das gleiche Interesse teilen und kann sich untereinander austauschen. Die Geselligkeit ist also ein großer Faktor Außerdem haben wir bei verschiedenen Firmen unter Vorlage des Mitgliedsausweises vergünstigte Einkaufskonditionen von Teilen und Dienstleistungen

Normalerweise ist die Zahl der weiblichen Oldtimerfans in Vereinen oder auf Veranstaltungen kleiner gegenüber der Zahl der Männer. Wie sieht die Verteilung von Männern und Frauen im VW Club Rhein-Neckar aus?
Wir haben aktuell 46 Mitglieder, wobei die Anzahl der Männer tatsächlich höher ist. Wir haben zwar auch Frauen als Mitglieder im Verein aber es sind doch deutlich weniger. Die Frauen, die dann öfters dabei sind, sind dann meist die Partnerinnen der männlichen Mitglieder, gehören aber natürlich trotzdem dazu.

Sie sind 1. Vorsitzender im Club. Welche Aufgaben hat man als 1. Vorsitzender?
Ich kümmere mich um die Mitgliederverwaltung, stimme mich bezüglich der Finanzen mit dem Kassenwart ab, plane Veranstaltungen und gemeinsame Ausfahrten. Wir machen mindestens alle zwei Jahre eine gemeinsame Ausfahrt mit Übernachtung und einmal pro Jahr eine ohne Übernachtung. Mir macht das sehr viel Spaß, Strecken rauszusuchen und das zu organisieren. Bei unseren Ausfahrten ist der Weg das Ziel, es geht über schöne Landstraßen, vermeiden Autobahnen möglichst. Diese Ausfahrten sind immer gut frequentiert. Und als größte Veranstaltung ist eben das Treffen zu nennen (Programm siehe Flyer).

Die VW Treffen finden alle 2 Jahre ,früher an wechselnden Orten statt. Was wäre – regional gesehen- Ihr nächstes Ziel, wo sollte ein VW Treffen mal stattfinden?
Für mich persönlich ist das Gelände am Technoseum in Mannheim, wo wir unsere Treffen seit 1995 veranstalten, rundherum ideal. Es ist zwar immer ein Kraftakt, die ganzen Bestimmungen zu erfüllen, die jedes Jahr zunehmen. Das macht es für uns immer schwieriger, die Auflagen rund um Sicherheit, Brandschutz, Bodenverdichtung etc. zu realisieren, auch finanziell zu meistern. Bis jetzt hat es aber dann letztendlich immer geklappt. Mein Wunsch ist es deshalb, dass es weiterhin möglich sein wird, dort die Veranstaltungen durchzuführen. Wir halten uns jedes Mal mit etwa 350 Fahrzeugen konstant und für diese Größenordnung ist für das Technoseum-Gelände ideal.

Welche Rolle spielt der Modellbau bei Ihnen bzw. dem Verein?
Wir bringen als Verein jedes Jahr zum VW Treffen ein VW Bus Modell des Modellspielwarenherstellers Brekina heraus. Der VW Bus ist sozusagen unser Vereinsmaskottchen. Diese exklusiven Modelle sind limitiert und in Sammlerkreisen recht begehrt. Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein VW Bus Modell, T1, auf dessen Plane ist dann dieses Jahr das Vereinslogo mit 40 Jahre Jubiläum aufgedruckt.
Wir sind außerdem mehrere Mitglieder im Verein, die Modellautos bauen oder sammeln. Ich habe aus privatem Interesse heraus, viele Modelle (teilweise Autos, die es nicht als Modellauto gibt) um- und nachgebaut, im kleinen Maßstab 1:87. Das war für mich eine Herausforderung und Spezialität, denn auf dem Sektor gibt es nicht allzu viele, die das machen und da so ins Detail gehen. Leider lassen die Augen jetzt ein bissl nach, so dass ich mich nun auf den Maßstab 1: 43 konzentriere. 

Die Väter des VW Clubs Rhein-Neckar waren im Rhein-Neckar-Raum stationierte, amerikanische GI’s. Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb VW so sehr von den GI’s geliebt wurde, dass sie sogar zu Gründern des VW Clubs wurden?
Speziell der Käfer hatte in den 50er/60er Jahren einen Riesenerfolg in den USA, weil der Käfer ganz anders war als die großen Amischlitten. 1979 gab es hier auch noch sehr viele Kasernen und entsprechend viele Soldaten und Personal. Dieser Hype um den Käfer in Amerika hat sich hier auch ausgebreitet. Die GI’s haben sich hier dann einen Käfer gekauft, bevor sie wieder zurück in die USA gegangen sind und haben ihren Käfer dann mitgenommen. Oder sind ihn hier gefahren. Durch den damals günstigen Kurs vom Dollar zur Deutschen Mark konnten sie sich natürlich einiges – zum Beispiel gute Autos - leisten. Im Verhältnis zum Deutschen hatten sie einen Haufen Geld.
Auch die Tuning-Szene rund um Käfer und Buggy war weit verbreitet in den USA. Für diejenigen, die 2- Sitzer-Buggies nicht kennen: Sie hatten ein gekürztes Fahrgestell vom Käfer, eine offene Karosserie, eine Windschutzscheibe und dicke Räder und wurden als Strandbuggys in Kalifornien genutzt. 1969 hat es die Autozeitung von VW, die „Gute Fahrt“, dann geschafft, in Verbindung mit Karmann so ein Fahrzeug dann in Deutschland zulassungsfähig zu machen. Für damalige Verhältnisse ein Riesenkraftakt. Beim amerikanischen Modell hat der Motor völlig im Freien gehangen, die Radabdeckungen waren sehr großzügig ausgelegt. Bei der deutschen Version musste natürlich alles reglementiert sein. Die Kotflügel waren dann länger, der Motor musste weitgehend abgedeckt sein. Aber sie haben es geschafft. Der VW Buggy war dann auch in Deutschland ein Riesenerfolg. Diese Tuningszene hatte in Amerika einen großen Stellenwert und das hat sich dann hierher übertragen und so ist dann Donald E. Hobbs auf die Idee gekommen, einen Verein zu gründen. So entstand 1979 der heutige VW-Club Rhein-Neckar, damals noch mit Namen „The Wolfsburg Nightriders Volkswagenclub of Heidelberg“. Dann ließ aber Anfangs der 80er der Hype um den Käfer bei den GI’s nach. Für viele endete die Stationierung hier und die GI’s gingen zurück in die USA. Also waren fast keine Amerikaner mehr da, die den Verein weiterführen konnten oder wollten. So ist der Club in deutsche Hände übergegangen, seit 1988 als e.V. in Mannheim eingetragen ist und besteht so bis heute.

 

Und hier ein kleiner Rundumblick während des Treffens: 

 

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