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Ein BELMOT-Interview mit Ni-Cola Classics Geschäftsführer Tobias Friedrich

Tobias Friedrich, GF von Ni-Cola Classics hat sich vollständig auf Auktionen von Automobilia spezialisiert. Die nächste Auktion: 14. und 15. Mai.

Foto: Vitrine aus einer der letzten Auktionen | Copyright: Ni-Cola Classics

Tobias Friedrich vor seinen Geschäftsräumen. © Mannheimer Versicherung AG

Für Fans der Premiummarken Porsche, Mercedes, Lamborghini, Jaguar, Maserati, Bugatti, Ferrari und BMW ist das kleine, zwischen Mannheim und Heidelberg gelegene Städtchen Ladenburg ein echtes Juwel: Nur drei Anbieter auf der ganzen Welt haben sich vollständig auf Auktionen von „Automobilia“ spezialisiert. Gleich zwei Anbieter befinden sich im baden-württembergischen Ladenburg. Mit Tobias Friedrich, dem Gründer und Geschäftsführer von Ni-Cola Classics (seit 2017), haben wir uns getroffen. Wir sprachen mit ihm unter anderem über seinen kürzlich aufgestellten Auktions-Weltrekord sowie seine nächste Auktion am 14.+15. Mai.

Für Fans der Premiummarken Porsche, Mercedes, Lamborghini, Jaguar, Maserati, Bugatti, Ferrari und BMW ist das kleine, zwischen Mannheim und Heidelberg gelegene Städtchen Ladenburg ein echtes Juwel: Nur drei Anbieter auf der ganzen Welt haben sich vollständig auf Auktionen von „Automobilia“ spezialisiert. Gleich zwei Anbieter befinden sich im baden-württembergischen Ladenburg. Mit Tobias Friedrich, dem Gründer und Geschäftsführer von Ni-Cola Classics (seit 2017), haben wir uns getroffen. Wir sprachen mit ihm unter anderem über seinen kürzlich aufgestellten Auktions-Weltrekord sowie seine nächste Auktion am 14.+15. Mai. 

BELMOT: Erst dachte ich, ich habe mich verhört aber es ist wahr: In einer Deiner letzten Auktionen hast Du ein Ferrari-Faltblatt für stolze 127.000 EUR versteigert  - damit hast Du einen Weltrekord geknackt! Hat Dich dieses überragende Ergebnis selbst überrascht?
TF: Natürlich, das war auch für mich absolut unerwartet. Du weißt ja nie, ob eine Sache richtig viel wert ist. Du machst das alles nur aus dem Gefühl heraus „Okay, das ist etwas Geiles. Das könnte laufen.“ Diese letzte Auktion war dann tatsächlich die beste in den letzten 20 Jahren. (Foto rechts: Tobias Friedrich vor seinen Geschäftsräumen. © Mannheimer Versicherung AG)

Du hast schon als kleiner Junge für Sportwagen geschwärmt. Wer oder was hat Dich zu dieser Leidenschaft inspiriert?
Da gab es einen besonderen Moment in meinem Leben: Ich bin als Sechsjähriger mit meinen Eltern in den Urlaub gefahren und durfte mir für die Fahrt eine Zeitschrift zum Bilder angucken und lesen aussuchen. Ich suchte mir die auto, motor& sport aus, bekam sie aber nicht.  Meine Eltern interessieren sich absolut gar nicht für das Thema Autos und konnten nicht verstehen, weshalb ich mich so dafür interessierte. Zu der Zeitung meinten sie nur: „Du wirst sie doch gar nicht lesen. Wir kaufen Dir lieber ein Mickey Mouse Heft, oder etwas in der Art.“ Ich wollte aber UNBEDINGT die auto, motor&sport, weil dort die neuesten und schnellsten Autos vorgestellt werden. Auch vor diesem Zeitpunkt hatte ich auf der Straße immer den Sportwagen hinterhergeschaut und beim parkenden Auto auf den Tacho geschaut, wie schnell das Auto fahren könnte. Ab dieser besagten Urlaubsfahrt habe ich jeden Monat mein gesamtes Taschengeld gespart und für die Zeitschrift ausgegeben. Seit meinem 12. und bis ungefähr zu meinem 40. Lebensjahr hatte ich dann tatsächlich ein Abo.

Wie kam es dann letztendlich dazu, dass Sie sich beruflich auf Aktionen und den Oldtimerhandel spezialisiert haben?
Das Ganze ist 2001 aus einer Schnapsidee entstanden, die ich damals mit meinem alten Kindergartenfreund und späteren Geschäftspartner hatte. Wir waren gemeinsam auf der VETERAMA und haben Menschen angesprochen, ob sie uns nicht Dinge für eine Auktion zur Verfügung stellen möchten. Das hat gut funktioniert, sodass wir im selben Jahr ein Auktionshaus gründeten. Unser erster Auktionskatalog war damals schon einige Zentimeter dick. Diesen haben wir dann auf der (nächsten) VETERAMA verteilt, weil wir ja bis dato noch gar keine Kunden hatten. Das war also wirklich eine reine Schnapsidee, die wir aus Spaß an der Sache hobbymäßig verfolgt haben und weiter ausbauten.
Der Bruder meines damaligen Geschäftspartners betrieb damals wie heute ein Spielzeugauktionshaus und stellte uns sein Verwaltungsprogramm für die Auktionen zur Verfügung. Mir hat das riesigen Spaß gemacht. Zwei- bis dreimal pro Woche nach der Arbeit saß ich dann am PC und habe mich mit den Auktionen beschäftigt. Ich bin eigentlich Elektroinstallationsmeister von Beruf, habe den Betrieb meiner Eltern mit Ende 20 übernommen. Das hat mir aber nie Spaß gemacht. Die Auktionen waren dann immer mein Ausgleich dazu, obwohl wir 3-4 Jahre ohne Verdienst arbeiteten, es ging in dieser Zeit immer 0 auf 0 aus. Damals haben wir nur Prospekte, Bücher und Poster versteigert und ich fand immer cool, was die Leute uns geschickt haben. Die Kehrtwende kam dann 2005.
Da kam ein Verkäufer auf uns zu, der uns letztendlich groß gemacht hat. Dieser Mann war ein Sammler aus Deutschland, der mit dem Privatsekretär von Prof. Dr. Porsche bekannt war und dem er den gesamten Nachlass abgekauft hat. Genau diesen Nachlass hat er bei uns abgegeben. Innerhalb von zwei Auktionen haben wir den Umsatz versechsfacht. Plötzlich begann damit ein großer Hype und genauso plötzlich hatten wir aus der ganzen Welt Käufer und internationalen Erfolg.
Ein Beispiel davon war die erste Postkarte von Porsche vom Dezember 1950 mit der Aufschrift „Gute Fahrt ins neue Jahr“ und der Unterschrift von Ferry Porsche und Ferdinand Porsche, der dann im Januar 1951 verstarb. Damals waren gerade einmal 500 Autos gebaut worden. Wir hatten die Postkarte für 180 Euro angesetzt, verkauft wurde sie für 82.000 EUR. Völlig Banane. Keiner von uns konnte glauben, welche Preise die Dinge plötzlich erzielen.
Diese Einlieferung war also der Umbruch. Sie führte uns plötzlich auf ein neues Level, so dass wir Geld mit den Auktionen verdienten und irgendwann so gut, dass wir unsere bisherigen Jobs aufgaben.  Dieser Mann lieferte uns im Anschluss immer wieder Dinge aus der ganzen Welt, von  Sammlern hauptsächlich aus den USA. So konnte ich das ungeliebte Elektrogeschäft schließen. Meine glückliche Fügung. :-)

Was meinst Du, warum hat er gerade euch ausgewählt, wo ihr doch noch quasi in den „Auktions-Kinderschuhen“ gesteckt habt?
Ich denke, er hat die Sachen schwer vom Wert einschätzen können und hätte die Dinge an irgendeinen anderen Sammler verkauft, hätte er sie nicht uns gegeben.
Es gibt auf der ganzen Welt auch heute noch nur drei Automobilia, also Auktionshäuser, die sich rein mit dem Thema „Automobilia“ befassen (Auto- und Technikteile, Literatur, Poster, Fotos, Dokumente, Plaketten, Emailleschilder usw.) befassen, wir waren eines davon. Das dritte ist in den USA aber wesentlich kleiner, die machen jedoch nur 10% von dem, was ich mache.

Wenn sich jetzt nicht so ein Zufall wie gerade beschrieben ergibt: Wie kommt man denn an Ware?
Das Ziel eines Auktionators ist immer: Du musst die bestmöglichste Ware bekommen. Das schaffst Du nur, wenn Du hunderte Telefonate führst. Ich habe mittlerweile 12.000 Kunden in der Kartei und somit ist es bei den kleinen Dingen oft ein Selbstläufer. Die Leute rufen uns an, senden E-Mails mit Fotos und fragen „Könnt ihr das gebrauchen?“ Aber die wirklich besonderen Dinge sind sehr schwierig zu finden.

Und welche Menschen nehmen dann letztendlich an Deinen Auktionen teil? Sind das Museen, Firmen oder Privatpersonen?
Fast immer sind das Privatpersonen. Aber es kommt immer auf das Objekt an. Da ich verstärkt Oldtimerersatzteile von Rennsportwagen versteigere, am liebsten ganz seltene, z.B. von Ferrari, Porsche, sind es dann letztendlich oft Firmen, die hinter den Privatpersonen stecken und die Teile kaufen. Es geht ja meist um Millionen-Fahrzeuge, die 5 bis 6 Millionen Euro wert sind. Hinter der Firma steckt dann wiederum eine eigene Werkstatt und wieder hintendran Mechaniker, die die Teile z.B. für historische Rennen brauchen.

Du hast auf die Pandemie und ihre ganzen Einschränkungen reagiert, in dem Du ausschließlich Online-Auktionen anbietest. Empfinden Sie dies als Nachteil oder sogar als Vorteil?
Es ist im Moment ein Riesenvorteil. Die Menschen, die die besten Sammlungen haben und bei mir kaufen, sind ja sehr reiche Personen. Es gibt Personen, die bis zu 400 Autos besitzen, mit einem Versicherungswert um die 650. 000.000 Millionen Euro. Diese Menschen haben außerhalb der Pandemie den ganzen Tag die Möglichkeit, Dinge rund um ihr Hobby zu tun, z.B. Veranstaltungen in der ganzen Welt, wie z.B. den Concourse d’elegance oder den Formel 1 Grand Prix zu besuchen, auf Messen zu gehen usw. Seit einem Jahr findet ja gar nichts an Veranstaltungen statt – die Leute reagieren also extrem auf gute Online-Auktionen. Als ich die beiden Kataloge rausgeschickt habe, ist bei mir alles explodiert. Normalerweise habe ich etwa 150-200 Live-Bieter pro Auktion, jetzt waren es dauerhaft 600, weil die Leute zuhause sitzen, kein Geld ausgeben können. Sie finden in den Auktionen einen Kick. Das hat also unglaublich gut funktioniert. Normalerweise verkaufe ich ungefähr 2/3 der Ware. In den letzten Auktionen ist fast alles verkauft worden.

Wie funktioniert eine Online-Auktion ganz konkret? Welche Zugangsvoraussetzungen braucht man? Wie gibt man ein Gebot ab?
Wir versuchen, die Teilnahme-Hürde sehr niedrig zu halten.
An den Auktionstagen, die meistens über zwei Tage gehen, zählen wir circa 3.000 Teilnehmer. Während dieser Zeit engagieren wir zehn Telefonisten. Jeder kann entweder Telefonbieter sein, oder ein bis drei Wochen vor der Auktion auf der Website sein Vorgebot schicken. Parallel dazu haben wir zwei Live-Plattformen, auf denen man sein Live-Gebot machen kann. Das ist alles wahnsinnig nervenaufreibend.
Im Anschluss musst Du es Dir dann so vorstellen: Die Auktion ist fertig, alles wird verschickt und parallel arbeite ich schon wieder an der Vorbereitung für die nächste Auktion, suche, sammle mit meinem Team, fotografiere Ware, übersetze, kontrolliere. Die Bildbearbeitung ist noch ein Teil der Katalogdruck. Dabei musst Du auf 1000de Dinge achten. Und ständig ändert sich irgendetwas. Das ist wie bei einem Formel1 Grandprix, bei der sich ständig die PolePosition ändert. An einem Tag springt ein besonderer Anbieter ab, dann kommt wieder ein neuer dazu. Am Ende muss dann an alles an einem Tag 100% glatt laufen.

Kam es schon mal vor, dass jemand etwas ersteigert hat, und dann nicht bezahlt hat?
Die teuren Dinge werden eigentlich immer bezahlt. Die Leute handeln selten aus dem Affekt heraus. Sie wollen es ja wirklich haben, es an die Wand hängen oder irgendwo einsortieren.

Welche Besonderheiten erwarten die Interessenten bei der nächsten Auktion am 14. und 15. Mai?
Wir versteigern zum Beispiel eine komplette Ferrari Dino Sammlung inklusive Auto, aber nur deshalb, weil der Besitzer ein Buch über sein Auto geschrieben hat. Er stellt uns dazu auch alle Ersatzteile, Prospekte etc. zur Verfügung. Das ist schon ein Highlight.
Außerdem wird der Nachlass von Vasek Polak versteigert. Wer ihn nicht kennt: Polak war zu Lebzeiten Autohändler, Rennfahrer und Rennstallbesitzer mit tschechisch-amerikanischer Nationalität. Natürlich haben wir auch wieder jede Menge Porsche und Ferrari Automobilia im Angebot.

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Wie sieht es eigentlich bei Dir aus? Hast Du als langjähriger Oldtimerfan eigentlich auch eigene Oldtimer?
Ja (lächelt). Naja, fast. Einen Porsche, 911 Carrera 2, Bj. 1992, er wird also erst bald ein Oldtimer. Und ein schmales G-Modell, 25 Jahre „Fahren in seiner schönsten Form“.

Das Interview führte Isabelle

PS: Meine ungestellte Frage „Wofür steht eigentlich der Name Ni-Cola?“ erklärt sich mir übrigens ganz ohne wortreiche Erklärung, als sich während des Interviews Tobias Frau vorstellt ;-)

 

Tobias Friedrich interessiert sich für Fahrzeuge, seitdem er denken kann. Er verfügt mittlerweile über fast 20 Jahre Auktionserfahrung. Mit außergewöhnlichen Auktionswaren aus dem Bereich Automobilia zieht er Sammler und Interessenten aus der ganzen Welt an. Seit Ende 2017 betreibt er mit der Firma Ni-Cola Classics seinen eigenen Auktionsbetrieb mit Schwerpunkt Automobilia in Ladenburg und hat sich zudem spezialisiert auf den Kauf, Verkauf, die Vermittlung und Beratung von Oldtimern der Premiummarken wie Porsche, Mercedes, Lamborghini, Jaguar, Maserati, Bugatti, Ferrari und BMW.

 

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